Atma Bodha – Vers 6

Die Welt ist ein Traum

Atma Bodha – Vers 6

Deutsche Übersetzung:

Die Welt, welche voll von Anhaftungen, Abneigungen usw. ist, ist wie ein Traum. Er scheint als wirklich, so lange er andauert, aber er erscheint als unwirklich, wenn man wach ist (d.h. wenn wahre Weisheit dämmert).

Sanskrit Text:

saṃsāraḥ svapnatulyo hi rāgadveṣādisaṅkulaḥ ।
svakāle satyavad bhāti prabodhe saty asad bhavet ॥ 6 ॥

संसारः स्वप्नतुल्यो हि रागद्वेषादिसङ्कुलः ।
स्वकाले सत्यवद्भाति प्रबोधे सत्यसद्भवेत् ॥ ६ ॥

samsarah svapnatulyo hi ragadveshadisankulah |
svakale satyavad bhati prabodhe saty asad bhavet || 6 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • saṃsāraḥ : die Welt, das weltliche Dasein (Samsara)
  • svapna-tulyaḥ : gleicht (Tulya) einem Traum (Svapna)
  • hi : gewiss (Hi)
  • rāga-dveṣādi-saṅkulaḥ : voll (Sankula) von Zuneigung (Raga), Abneigung (Dvesha) usw. (Adi)
  • sva-kāle : zu seiner Zeit (Svakala, d.h. wenn man träumt)
  • satya-vat : als wahr, wirklich (Satyavant)
  • bhāti : er erscheint (bhā)
  • prabodhe : das Erwachen (Prabodha)
  • sati : wenn (eingetreten) ist (Sat)
  • asat : unwirklich (Asat)
  • bhavet : er ist (bhū)     ॥ 6 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

Lesen

Was ist die Welt, ist eine der wichtigen Fragen. Wer bin ich? Was ist wirklich? Was ist die Welt? Was ist Gott? Was ist die höchste Wahrheit? Wie komme ich zu dieser Wahrheit? Dies sind Fragen, die man sich immer wieder stellen kann. Und hier eben diese Frage: was ist die Welt? In dieser Welt sind wir voller Anhaftungen und Abneigungen, Raga und Dvesha wie er hier sagt. Raga – wir mögen dieses, Dvesha – wir mögen dies nicht. Wir mögen diesen Menschen, wir mögen den anderen Menschen nicht. Wir mögen Teile von uns, andere Teile von uns mögen wir nicht. All dies ist da und der Mensch ist voller Emotionen, mögen und nicht mögen, voll von Vorstellungen, aber es bezieht sich auf diese Welt.
Was ist die Welt? Shankaracharya sagt hier, die Welt ist ein Traum. Solange ein Traum andauert, erscheint er wirklich. Angenommen du träumst, dann glaubst du, dass diese Traumwelt existiert. Wenn du aufgewacht bist realisierst du, dies war nur ein Traum. Genauso: Solange du jetzt in dieser Welt bist, denkst du, die Welt ist wirklich. Wenn du aufwachst, erfährst du, es war alles nur ein Traum. Jetzt wachst du aus diesem Weltentraum nicht von selbst auf, dies unterscheidet diesen Wachtraum vom Traum Traum. Also du bist ja heute Morgen aufgewacht und dabei hat der Traum aufgehört. Aber aus dieser Wachwelt wachst du nicht auf, du kannst zwar einschlafen, vergisst diese Wachwelt, kannst träumen. Du träumst eine eigene Welt, aber wenn du aufwachst, dann bist du wieder in dieser gleichen Wachwelt drin, in diesem gleichen Traum. Um aus diesem Traum herauszukommen, dazu übt man Atman Jnana, die Erkenntnis des Selbst oder Jnana Abhyasa das heißt die Übung des Wissens. So sagt er, die Welt erscheint als unwirklich, wenn du aufwachst. Durch das Aufwachen kommst du zur höchsten Wahrheit. Und wie wacht man auf? Dazu gibt es wieder alle möglichen spirituellen Praktiken, dazu übt man Meditation, Asanas und Pranayama. Wenn durch Asanas, Pranayama und Meditation das Bewusstsein am höheren Bewusstseinszustand ist, sieht die ganze Welt plötzlich so unwirklich aus. Du erfährst eine höhere Wirklichkeit, oder durch Bhakti Yoga. Wenn du eine intensive Liebe zu Gott hast und weißt, es gibt Gott, dann erscheint diese Welt irgendwo nicht mehr als getrennt, sie erscheint nur als Teil Gottes, als Manifestation Gottes. Du wachst aus dem Weltentraum von Raga und Dvesha auf, genauso wenn du aufhörst, dich zu identifizieren, wenn du dich loslösen kannst von Raga und Dvesha. Wenn du erkennst, das Worte, Gedanken und Gefühle alle nur an der Oberfläche des Geistes sind und wenn du dann dein wahres Selbst erkennst, dann erkennst du, dass auch der ganze Weltentraum nicht wirklich ist. Hinter der ganzen Welt ist ein unendliches, ewiges Bewusstsein, du selbst bist.

Ewiges Bewusstsein, hinter der ganzen Welt ist ewiges Bewusstsein, dein Bewusstsein ist eins mit dem kosmischen Bewusstsein. Und alles, was geschieht auf der relativen Ebene in Zeit und Raum, ist unwirklich, existiert so nicht. Ihr seid Traum, nicht nur dein eigener Traum, andere träumen es auch. Du modifizierst diesen Traum mit deinen eigenen Vorstellungen. Andere modifizieren den Traum mit ihren Vorstellungen. Aber es ist alles ein großer Weltentraum und durch Erkenntnis erfährst du: Aham Brahma Asmi. Ich bin Brahman, dieses Selbst hinter allem. Denke darüber nach, überlege und erfahre die Welt – so, wie du sie wahrnimmst, ist nicht so wie du sie wahrnimmst, letztlich ist sie ein Traum. Handle geschickt in dieser Welt, aber sei nicht verhaftet und sei dir bewusst, irgendwann wachst du aus dieser Welt auf.

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