Atma Bodha Vers 57

Erfahre Brahman als Eins und wonnevoll

Atma Bodha Vers 57

Deutsche Übersetzung:

Erkenne das als Brahman, was nicht-dual ist, unteilbar, Eins und wonnevoll und auf das im Vedanta hingewiesen wird als das unveränderliche Substrat, das nach der Negierung aller dinglichen Objekte erkannt wird.

Sanskrit Text:

atadvyāvṛttirūpeṇa vedāntair lakṣyate’dvayam ।
akhaṇḍānandam ekaṃ yat tad brahmety avadhārayet ॥ 57 ॥

अतद्व्यावृत्तिरूपेण वेदान्तैर्लक्ष्यतेऽद्वयम् ।
अखण्डानन्दमेकं यत्ततद्ब्रह्मेत्यवधारयेत् ॥ ५७ ॥

atadvyavrittirupena vedantair lakshyate’dvayam |
akhandanandam ekam yat tad brahmety avadharayet || 57 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atad-vyāvṛtti-rūpeṇa : in Form (Rupa) des Ausschlusses (Vyavritti) dessen, was es nicht ist (Atad)
  • vedāntaiḥ : von (den Lehren des) Vedanta
  • lakṣyate : das definiert wird als (lakṣ)
  • advayam : nicht dual (Advaya)
  • akhaṇḍānandam : vollkommene („ununterbrochene“, Akhanda) Glückseligkeit (Ananda)
  • ekam : das Eine (Eka)
  • yat : welches (Yad)
  • tat : das (Tad)
  • brahma : (ist) das Absolute (Brahman)
  • iti : so, in dieser Weise (Iti)
  • avadhārayet : soll man begreifen, bei sich denken (ava + dhṛ)     ॥ 57 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Erkenne das als Brahman, was nicht-dual ist, unteilbar, Eins und wonnevoll und auf das im Vedanta hingewiesen wird als das unveränderliche Substrat, das nach der Negierung aller dinglichen Objekte erkannt wird.
Wieder beschreibt Shankara: Was ist Brahman? Brahman – das Absolute, das Göttliche. Er sagt: Es ist non-dual. D. h. es gibt nichts anderes als Brahman. Alles ist Brahman. Es ist unteilbar. Du kannst es nicht in Teile teilen und sagen „Das ist der linke Teil von Brahman und der rechte Teil.“ Die Welt erscheint in verschiedenen Namen und Formen, aber es gibt nur ein Brahman. So ähnlich auch wie im Traum erscheinen so viele Namen und Gestalten aus dem Bewusstsein des Träumenden. Es ist unteilbar. Es ist Eins. Es ist möglich, Bewusstsein soweit auszudehnen, dass du nur noch Brahman erfährst. Und dabei ist Wonne, unendliche Wonne. Wenn du Brahman erfährst, ist unendliche Wonne. Du kannst danach wieder die Welt erfahren, aber du weißt, die Welt ist nur eine Manifestation von Brahman.
So ähnlich: Wenn du im Ozean untergetaucht bist, dann weißt du, um dich herum ist nur Wasser. Wenn du nach oben gehst, siehst du wieder die verschiedenen Wellen. Von unten aus betrachtet weißt du, alle Wellen sind Modifikationen des gleichen Ozeans. So ähnlich: es gibt nur Brahman. Ein unendliches Brahman. Auf einer relativen Ebene scheint Brahman verschiedene Namen und Formen zu haben. Es scheint ein kosmisches Drama zu geben. Du bist wie eine Welle im Ozean und siehst andere Wellen an und zusammen schafft ihr das Spiel der Wellen. Aber es gibt nur Ozean.
So ähnlich: Es gibt nur Brahman. Dieses Brahman, das willst du im Vedanta erfahren. Das ist auch wichtig, dass man sich dessen bewusst macht. Vedanta ist ja auch ein Philosophiesystem. Vedanta ist auch eine Methodologie. Vedanta ist auch etwas Intellektuelles. Es gibt ja auch nicht nur dieses Atma Bodha, das intellektuell relativ einfach gehalten ist, so dass jeder Brahman erfahren kann. Aber es gibt noch sehr viel komplexere Texte mit sehr viel mehr Spezialausdrücken und andere Analysemethoden. Da kann man sich wunderbar mit beschäftigen. Und das kann wie zu einem Selbstzweck werden, wenn man versucht, jedes Wort genau zu verstehen, und vom Sanskrit her und allem. Auch das kann man machen. Aber der Zweck von Vedanta ist, Brahman zu erfahren. Der Zweck, Schriften zu lesen, ist, Gott zu verwirklichen. Das eine ist das Mittel, das andere sein Zweck. Manche Menschen verhaken sich dann in den Mitteln, anstatt in den Zweck hineinzugehen. So sagt er: Brahman ist das, auf das von Vedanta hingewiesen wird und was man durch Vedanta verwirklichen will. Das ist das unveränderliche Substrat, d. h. die Essenz hinter allem. So ähnlich wie der Ozean die Essenz hinter allen Wellen ist. Und er sagt hier: Und dieses wird erkannt, wenn man alle dinglichen Objekte negiert hat. Negieren heißt, sich nicht darauf einlassen. Angenommen, du siehst die Wellen eines Ozeans, dann kannst du dich sehr beschäftigen mit den Wellen. Wenn du dich aber nicht mehr mit den Wellen beschäftigst, sondern mit dem, was hinter den Wellen liegt, dann hast du Brahman erfahren.
In diesem Sinne: Du könntest die Körper anschauen, du könntest die Charakterzüge anschauen, du könntest die Handlungen anschauen, die Motive der Menschen anschauen, die niederen, die höheren Aspekte anschauen – kannst du alles tun. Aber Brahman erfährst du, wenn du in das Substrat deiner Mitgeschöpfe gehst. Wenn du die Herzensverbindung herstellst. Und dann weißt du: Körper mag unterschiedlich erscheinen, Psyche mag unterschiedlich erscheinen, wir haben unterschiedliche Rollen im kosmischen Drama, wir haben unterschiedliche Kostüme im kosmischen Drama oder wir sind unterschiedliche Wellen im kosmischen Ozean. Aber wenn wir uns nicht mehr auf die Kostüme und die Rollen konzentrieren, wenn wir uns nicht mehr konzentrieren auf die Wellen, sondern auf das Substrat, dann erfahren wir überall Brahman.
Und genau das möchte ich dir als kleine Aufgabe jetzt geben. Heute oder morgen gehe öfters durch die Welt und spüre das Substrat. Mache dir bewusst, Namen und Formen und was du siehst und hörst und fühlst, sind alles nur Wellen. Aber gehe in das Substrat hinein, hinter allem ist Brahman. In dir selbst identifiziere dich nicht mit Körper und Psyche, identifiziere dich mit Brahman. In deinen Mitgeschöpfen identifiziere dich mit Brahman. Dehne deine Bewusstheit aus, erfahre dich als Bewusstheit überall. Mindestens jetzt gleich lies nochmals diese Worte und danach gehe einen Moment in die Stille und erfahre das.
Erkenne und erfahre das als Brahman, was nicht dual ist, unteilbar, Eins, ewige Wonne, unendliches Wissen, unveränderliches Substrat. Negiere alle dinglichen Objekte, die Veränderungen erzeugen. Erfahre die Einheit, erfahre die Wonne, erfahre das Substrat hinter allem. Atha – jetzt.

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