Atma Bodha – Vers 50

Der Yogi verweilt in der Herrlichkeit seines Selbst

Atma Bodha – Vers 50

Deutsche Übersetzung:

Nach der Überquerung des Ozeans der Täuschung und dem Töten der Dämonen von Mögen und Nicht-Mögen verweilt der Yogi, der mit Frieden vereint ist, in der Herrlichkeit seines eigenen realisierten Selbst – als ein Atmaram („derjenige, der sich im Selbst erfreut“).

Sanskrit Text:

tīrtvā mohārṇavaṃ hatvā rāgadveṣādirākṣasān ।
yogī śāntisamāyukta ātmārāmo virājate ॥ 50 ॥

तीर्त्वा मोहार्णवं हत्वा रागद्वेषादिराक्षसान् ।
योगी शान्तिसमायुक्त आत्मारामो विराजते ॥ ५० ॥

tirtva moharnavam hatva ragadveshadirakshasan |
yogi shantisamayukta atmaramo virajate || 50 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tīrtvā : nachdem er überquert hat (tṛ)
  • mohārṇavam : das Meer (Arnava) der Täuschung (Moha)
  • hatvā : nachdem er getötet hat (han)
  • rāga-dveṣādi-rākṣasān : die Dämonen (Rakshasa) von Zuneigung (Raga), Abneigung (Dvesha) usw. (Adi)
  • yogī : ein Yogi (Yogin)
  • śānti-samāyuktaḥ : ausgestattet („verbunden“, Samayukta) mit innerem Frieden (Shanti)
  • ātmārāmaḥ : sich am eigenen Selbst erfreuend (Atmarama)
  • virājate : erstrahlt („waltet“, vi + rāj)     ॥ 50 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Nach der Überquerung des Ozeans der Täuschung und dem Töten der Dämonen von Mögen und Nicht-Mögen verweilt der Yogi, der mit dem Frieden vereint ist, in der Herrlichkeit seines eigenen realisierten Selbst als derjenige, der sich im Selbst erfreut (Atmaram).
Wunderschöne Verse, in denen Shankara uns nochmal beschreibt, wohin wir kommen, wenn wir den Weg des Jnana-Yoga gehen.
Er sagt, das „Töten von Mögen- und Nicht-Mögen-Dämonen“. Ich mag eigentlich diese etwas kriegerische Sprache nicht. Aber es gibt nun mal die alten, indischen Schriften, wo oft von Rakshasas und Asuras die Rede ist und wie dort Rama und Krishna gegen sie gekämpft haben und die Devas gegen sie kämpfen usw. Und hier sagt er, die Rakshasas sind eigentlich Mögen und Nicht-Mögen. Die gilt es zu überwinden.
Ich persönlich gehe auch lieber anders damit um als zu sagen, ich will jetzt mein Mögen und Nicht-Mögen töten. Das ist jetzt nicht notwendig. Mögen und Nicht-Mögen hat auf einer relativen Ebene auch seine Gründe. Man kann sagen „Ja, meine Psyche mag das, meine Psyche mag das nicht.“ Das ist verständlich. Psyche mag das Mögen und Nichtmögen. Du bist jetzt ganz klar deshalb. Du kannst auch umdrehen und sagen „Das mag ich, das mag ich nicht“. Aber vor dem Hintergrund meiner übergeordneten Ziele – ist das jetzt sinnvoll, das so zu machen? Oder vor dem Hintergrund meiner übergeordneten Ziele? Oder ist etwas anderes sinnvoll?
Ich sage gerne: Wünsche sind Handlungsempfehlungen mit Energie. Emotionen sind Informationen mit Energie. Stimmungen sind irgendwo Resultate von dem, was du gedacht hast, Resultate von dem, was du getan hast. Stimmungen sind eine Mischung von Prana, Emotionen und Gedanken. All das hat alles irgendwo seinen Sinn. Du kannst es wertschätzen, du musst dich aber nicht davon beeinflussen lassen, insbesondere kannst du dich davon lösen. Mögen und Nicht-Mögen ist tatsächlich veränderbar.
Angenommen, du gehst irgendwo durch die Straßen und plötzlich siehst du dort einen Pommes Stand und bekommst den großen Wunsch „Pommes, ich will Pommes“. Dann kannst du sagen „Ja, es ist ganz verständlich, dass ich dort Wunsch nach Pommes Frites habe. Es ist ein Kohlenhydrate-Fett-Gemisch, das irgendwo weich ist. Selbstverständlich etwas Evolutionsbiologisches. … Pommes Frites sind etwas, das uralte Instinkte anspricht. Außerdem wurde ich als Kind damit belohnt. Ganz verständlich, dass ich das will.“
Und vor dem Hintergrund, dass ich gesund leben will, dass ich ein freudvolles Gemüt haben will, ist es jetzt klüger, wenn ich einfach weitergehe. Wenn du dann weitergehst, erfährst du vielleicht „Will haben“, ein kleines Gefühl der Frustration. Dann kannst du auch sagen „Verständlich, dass da ein Gefühl der Frustration ist. Denn früher habe ich öfter Spaß gehabt an Pommes.“ Aber das Gefühl der Frustration wird auch vorbeigehen. Dann kannst du sogar sagen: Satchidananda Svarupoham. Meine wahre Natur: Sein, Wissen, Glückseligkeit. Dehne dann deine Bewusstheit aus. Fühle dich als weit. Spüre dich als Ahnender, als Freude. In dem Moment, wo du dich weit fühlst, als Freude, als groß, als unendlich – in dem Moment ist Frieden da. In diesem Sinne: Überwinde die Gebundenheit an Mögen und Nicht-Mögen. Wenn du das tust, dann verweilst du im Frieden. Du verweilst in der Herrlichkeit deines eigenen Selbst. Du wirst zum Atmaram, der dir sagt: Jemanden, der im Selbst sich erfreut. Du brauchst nichts anderes als dein eigenes Selbst. Dieses Selbst ist auch in anderen. Und aus dem Selbst heraus findest du dann Kraft, auch in der relativen Welt zu tun, was zu tun ist. Aber du brauchst nichts als Selbst. Körper braucht Dinge, Psyche braucht Dinge. Aber du bist das unsterbliche Selbst. Du brauchst nichts als die Verwirklichung des Selbst.

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