Atma Bodha – Vers 44

Atman als allumfassende Wirklichkeit

Atma Bodha – Vers 44

Deutsche Übersetzung:

Atman ist eine all-gegenwärtige Wirklichkeit. Aber aufgrund von Unwissenheit wird er nicht erkannt. Durch die Zerstörung der Unwissenheit wird Atman erkannt. Es ist wie die vermisste Halskette am eigenen Hals.

Sanskrit Text:

ātmā tu satataṃ prāpto’py aprāptavad avidyayā ।
tannāśe prāptavad bhāti svakaṇṭhābharaṇaṃ yathā ॥ 44 ॥

आत्मा तु सततं प्राप्तोऽप्यप्राप्तवदविद्यया ।
तन्नाशे प्राप्तवद्भाति स्वकण्ठाभरणं यथा ॥ ४४ ॥

atma tu satatam prapto’py apraptavad avidyaya |
tannashe praptavad bhati svakanthabharanam yatha || 44 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ātmā : das Selbst (Atman)
  • tu : aber, jedoch (Tu)
  • satatam : immer, ununterbrochen (Satata)
  • prāptaḥ : ist da, vorhanden („erreicht“, Prapta)
  • api : auch (Api)
  • aprāpta-vat : als wäre es („wie“, Vat) nicht vorhanden (Aprapta)
  • avidyayā : durch die Unwissenheit (Avidya)
  • tan-nāśe : bei deren (Tad) Vertreibung („Zerstörung“, Nasha)
  • prāpta-vat : als („wie“, Vat) vorhanden (Prapta)
  • bhāti : es erscheint, bhā)
  • sva-kaṇṭhābharaṇam : ein Schmuckstück (Abharana) am eigenen (Sva) Hals (Kantha)
  • yathā : so wie (Yatha)     ॥ 44 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Atman ist eine allgegenwärtige Wirklichkeit. Auf Grund der Unwissenheit wird er nicht erkannt. Durch die Zerstörung der Unwissenheit wird Atman erkannt: Es ist wie die vermisste Halskette am eigenen Hals. Atman ist die unendliche ewige Wirklichkeit, Atman ist immer da, reines unendliches Bewusstsein, aber du weißt es nicht.

Es ist so ähnlich, es ist eine weitere Analogie, die Shankaracharya hier gebraucht, die vermisste Halskette am Hals. Angenommen, jemand hat eine Japa Mala um den Hals, also eine Meditationskette und sucht sie überall und dann hat er sie an dem Hals. So ähnlich: Manche Menschen haben die Brille auf und suchen nach der Brille. Sie merken nicht, dass sie die Brille auf haben. Man sucht nach der Brille überall, man sucht nach der Halskette überall, man hat die Brille auf, man hat die Halskette am Hals. So ähnlich – Menschen suchen nach ihrem Glück und denken: Wo ist Glück zu finden, wie kann ich unsterblich werden, wie kann ich meine Bestimmung des Lebens erreichen? Sie suchen überall. Aber Atman ist jetzt schon da.

Es gibt eine berühmte Geschichte, die ich gerne erzähle, ich will sie an der Stelle nochmals nach der Vedanta Tradition erzählen: Es ist die Geschichte einer Frau. Eine Frau war draußen auf der Straße und suchte etwas. Dann kam ein Nachbar vorbei und fragte: „Na, meine Werteste, was suchst du denn?“ „Ja, ich suche eine Nadel, ich habe meine Nadel verloren.“ Und sie suchen auf der Straße und finden die Nadel nicht. Eine Nadel war im alten Indien etwas sehr wertvolles. Sagt der Nachbar: „Versuche, dich mal daran zu erinnern, wo du die Nadel verloren hast?“ „Ja, drinnen im Haus.“ „Warum suchst du dann hier draußen?“. „Weil hier draußen mehr Licht ist.“
In diesem Sinne: Du suchst die ganze Zeit etwas, aber es ist tief in deinem Inneren, so wie die Kette an deinem Hals oder die Brille auf deiner Nase. Oder wie die Nadel in deinem Zimmer, du musst sie nur dort suchen. Kette und Brille sind natürlich einfacher zu finden, du brauchst nicht so lange zu suchen, nur an der richtigen Stelle, sofort ist es da. Mache dir bewusst, Atman ist allgegenwärtig, es ist gar nicht so schwer, ihn zu verwirklichen. Sage dir: „Ich bin Brahman. Aham Brahma Asmi – spüre das, spüre das Selbst in den Menschen, die dich umgeben, spüre das Selbst in der Natur, spüre überall Bewusstheit, es gibt nichts lebloses, es gibt nichts Unbewusstes. Ich wiederhole mich, aber das ist auch der Weg des Jnana Yoga. Immer wieder sich die ewigen Wahrheiten vergegenwärtigen, und so vergegenwärtige dir wieder, ich bin das unsterbliche Selbst, Sat Chid Ananda – Sein, Wissen, Glückseligkeit.

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