Atma Bodha – Vers 43

Lass die Erkenntnis des Selbst alle Unwissenheit vertreiben

Atma Bodha – Vers 43

Deutsche Übersetzung:

Der Herr der ersten Dämmerung (Aruna) selbst hat schon die tiefste Dunkelheit geraubt, wenn bald die Sonne aufgeht. Das Göttliche Bewusstsein des Selbst geht auf, wenn die richtige Erkenntnis die Dunkelheit im Herzen vertrieben hat.

Sanskrit Text:

aruṇeneva bodhena pūrvaṃ santamase hṛte ।
tata āvirbhaved ātmā svayam evāṃśumān iva ॥ 43 ॥

अरुणेनेव बोधेन पूर्वं सन्तमसे हृते ।
तत आविर्भवेदात्मा स्वयमेवांशुमानिव ॥ ४३ ॥

aruneneva bodhena purvam santamase hrite |
tata avirbhaved atma svayam evamshuman iva || 43 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • aruṇena : durch die Morgenröte (Aruna)
  • iva : wie (Iva)
  • bodhena : durch das Erwachen (Bodha)
  • pūrvam : (nachdem) vorher (Purva)
  • santamase : die Finsternis (Santamasa)
  • hṛte : vertrieben („geraubt“) wurde (Hrita)
  • tataḥ : dann, danach (Tatas)
  • āvir-bhavet : erscheint, offenbart sich (Avisbhū)
  • ātmā : das Selbst (Atman)
  • svayam : von selbst, aus sich selbst (Svayam)
  • eva : gewiss, wahrlich (Eva)
  • aṃśumān : die Sonne (Amshumant)
  • iva : wie      ॥ 43 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Der Herr der ersten Dämmerung, Aruna selbst, hat schon die tiefste Dunkelheit geraubt, wenn bald die Sonne aufgeht. Das göttliche Bewusstsein des Selbst geht auf, wenn die richtige Erkenntnis die Dunkelheit im Herzen vertrieben hat.
Die Verse des Atma Bodha, gerade da, wo wir jetzt sind, sind wie großartige Meditationsverse. Gerade zu Anfang gab es viele Analogien, waren Verse, die wie eine Einleitung für die Meditation dienen. Er sagte: „Ich bin dieses höchste Brahman, allein, ewig, rein, frei, eins, unteilbar, unveränderliche, grenzenlose Erkenntnis.“ Und jetzt gebraucht er die Analogie: “Aruna, die Morgendämmerung und die Sonne. Bevor die Sonne aufgeht, kommt die Morgenröte.“ Und so gibt es Vorstufen auch auf dem Jnana Yoga Weg. Er sagt: “Zunächst kommt die richtige Erkenntnis und die vertreibt die Dunkelheit im Herzen. Und das führt dann zur Erfahrung des göttlichen Bewusstseins des Selbst“. Also zwei Schritte.
Der erste Schritt ist die rechte Erkenntnis und aus dieser Erkenntnis heraus kommt dann das göttliche Bewusstsein des Selbst. Und wie kommt diese richtige Erkenntnis? Indem du dir bewusst machst, wer bin ich nicht und indem du dir bewusst machst, das bin ich. Aber es ist erst einmal ein Jnana Yoga, es ist ein Jnana Abhyasa, die Übung des Jnana. Zuerst überlegen, viveka, dann es immer wieder bestätigen wie eine Affirmation. Indem du sagst: „Ich bin nicht der Körper, der Körper ist mein Raumanzug oder wie meine Maske, wie mein Schauspieleranzug oder wie eine Puppe, die ich bewege“. Auch die Psyche – die Psyche ist meine Rolle. Ich bin nicht die Psyche, ich bin das Selbst, welches die Rolle annimmt, die die Psyche vorgibt und ich bin das Selbst, welches das Kostüm annimmt, die der Körper ist, oder den Raumanzug anzieht. Das kannst du so sagen und so leugnest du praktisch oder du negierst die Vorstellung ich bin Körper oder Psyche. Und dann machst du dir bewusst: „Wer bin ich?“ Ich bin ewig, ich bin rein, ich bin Freude, ich bin Bewusstheit, ich bin das unsterbliche Selbst. Und wenn du das erkannt hast, dann ist es so wie die Morgendämmerung. Und wenn du das regelmäßig machst, geht irgendwann die Sonne auf und du erfährst vollkommen die Bewusstheit des Selbst. Ved atma, das heißt die Erkenntnis des Selbst, du weißt, ich bin das unsterbliche Selbst. Svayam eva – das allein ist meine wahre Natur. So übe Jnana Yoga, frage dich, wer bin ich, übe die logische Unterscheidungskraft, meditiere darüber und verwirkliche.
Das sind ja auch die vier Schritte im Jnana Yoga. Der erste Schritt ist Shravana, hören, so wie du mir jetzt zuhörst oder auch lesen – das könnte es auch sein. Zweiter Schritt wäre Manana, denke darüber nach, was heißt es für mich. Dritter Schritt Nididhyasana. Meditiere darüber, wiederhole immer wieder diese großen vedantischen Affirmationen. Und dann dämmert langsam die Erkenntnis. Und wenn die Erkenntnis dämmert, dann ist schließlich Anubhava der vierte Schritt, das heißt die tiefe Verwirklichung der Einheit, nicht weit.

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