Atma Bodha – Vers 42

Das Feuer des Wissens verbrennt alle Unwissenheit

Atma Bodha – Vers 42

Deutsche Übersetzung:

Wenn diese niederen und höheren Aspekte des Selbst gut aneinander gerieben werden, wird das Feuer des Wissens daraus geboren, welches in seiner mächtigen Feuersbrunst all den Brennstoff der Unwissenheit in uns verbrennen wird.

Sanskrit Text:

evam ātmāraṇau dhyānamathane satataṃ kṛte ।
uditāvagatir jvālā sarvājñānendhanaṃ dahet ॥ 42 ॥

एवमात्मारणौ ध्यानमथने सततं कृते ।
उदितावगतिर्ज्वाला सर्वाज्ञानेन्धनं दहेत् ॥ ४२ ॥

evam atmaranau dhyanamathane satatam krite |
uditavagatir jvala sarvajnanendhanam dahet || 42 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • evam : so, in dieser Weise (Evam)
  • ātmāraṇau : am Reibholz (Arani) des Selbst (Atman)
  • dhyāna-mathane : das Reiben (Mathana) der Meditation (Dhyana)
  • satatam : ununterbrochen (Satata)
  • kṛte : wenn betrieben („gemacht“) wurde (Krita)
  • uditā : das entstandene („aufgegangene“, Udita)
  • avagatiḥ : Erkennen (Avagati)
  • jvālā : (wie) eine Flamme (Jvala)
  • sarvājñānendhanam : sämtlichen (Sarva) Brennstoff (Indhana) der Unwissenheit (Ajnana)
  • dahet : verbrennt (dah)     ॥ 42 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Wenn diese niederen und höheren Aspekte des Selbst gut aneinander gerieben werden, wird das Feuer des Wissens daraus geboren, welches in seiner mächtigen Feuersbrunst all den Brennstoff der Unwissenheit in uns verbrennen wird.
Hier gibt Shankara eine weitere Analogie – Feuer. Feuer verbrennt alles. Ein Beispiel: du hast ein Stück schmutziges Papier, und um es zu verbrennen, musst Du nur ein Feuer entzünden. Du nimmst also ein Feuerzeug und zündest es an. Früher musste man irgendetwas aneinander reiben. Durch das Reiben an etwas entsteht Feuer. Und in dieses Feuer kannst du dann Papier hineingeben. Und egal ob das Papier schön geschrieben wurde oder vielleicht Tintenklekse hat oder irgendetwas anderes, alles wird verbrannt.
In diesem Sinne sagt er hier: Wenn die niedrigen und die höheren Aspekte des Selbst gut aneinander gerieben werden. Wobei er hier sagt „dhyana“ – also durch Meditation, eva matmaranau – also – man meditiert über das höchste Selbst. Man meditiert über die niedrigen Aspekte des Selbst – Körper, Psyche, Identifikation etc. und verneint diese. Gleichzeitig sagt man sich, dass man das unsterbliche Selbst, der Atman, ist. Wenn man so meditiert („ich bin nicht der Körper, ich bin nicht die Psyche, ich bin das unsterbliche Selbst“), dann ist das wie ein Reiben, denn es geht gegen die normale Natur. Menschen sagen ja manchmal, dass sie ein höheres Selbst haben. Oder sich sagen, dass ihr höheres Selbst gesagt hat … Das klingt dann so, als ob das höhere Selbst etwas anderes wäre. Als wäre man selbst das sterbliche Selbst und das höhere Selbst so eine Art Schutzengel. Aber so ist es nicht – das höhere Selbst sagt uns nichts, wir sind das höhere Selbst. Und aus meinem tiefsten Inneren, aus meiner tiefen Seele kommt all das.
In diesem Sinne sollte man immer wieder darüber meditieren – Dhyana, wer ich bin und wer ich nicht bin. Es ist wie ein Reiben, bei dem es auch manchmal Widerstände gibt. Manchmal fragt man sich, was das Ganze soll. Aber im Lauf der Zeit verbrennt es alle Verhaftungen. So wie er z.B. sagt, dass das Feuer des Wissens daraus geboren wird. Und das verbrennt den Brennstoff der Unwissenheit. Und dann erfährst du dein wahres Selbst.
Ich möchte dich wieder ermutigen – ich weiß, es kommt jetzt im Moment nichts Neues im Atma Bodha, es sind immer wieder die gleichen Verse. Warum wiederholt Shankara sich? Weil es wichtig ist, es immer wieder zu sagen. Jnana Yoga ist letztlich einfach: Brahman allein ist wirklich, die Welt ist unwirklich, das Selbst ist Brahman. Immer wieder gilt es, sich das zu vergegenwärtigen. Immer wieder gilt es, das zu erfahren. Immer wieder gilt es, daraus zu handeln. Also nochmal die Ermutigung, dir bewusst zu werden, dass du nicht der Körper und nicht die Psyche bist. Der Körper ist wie ein Raumanzug oder auch wie ein Schauspielerkostüm. Die Psyche ist wie ein Instrument, etwas zu erfahren und etwas zu tun. Aber ich bin nicht die Psyche, ich bin das unsterbliche Selbst, ich bin der Atman.

Noch einmal der Vers: Wenn diese niederen und höheren Aspekte des Selbst in tiefer Meditation gut aneinander gerieben werden, wird das Feuer des Wissens daraus geboren, welches in seiner mächtigen Feuersbrunst all den Brennstoff der Unwissenheit in uns verbrennen wird.

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