Atma Bodha – Vers 35

Du bist rein und ungebunden

Atma Bodha – Vers 35

Deutsche Übersetzung:

Wie der Raum fülle ich alle Dinge im Inneren und Äußeren. Unveränderlich und gleich in allen, zu allen Zeiten bin ich rein, ungebunden, makellos und unbewegt.

Sanskrit Text:

aham ākāśavat sarvaṃ bahirantargato’cyutaḥ ।
sadā sarvasamaḥ siddho niḥsaṅgo nirmalo’calaḥ ॥ 35 ॥

अहमाकाशवत्सर्वं बहिरन्तर्गतोऽच्युतः ।
सदा सर्वसमः सिद्धो निःसङ्गो निर्मलोऽचलः ॥ ३५ ॥

aham akashavat sarvam bahirantargato’chyutah |
sada sarvasamah siddho nihsango nirmalo’chalah || 35 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • aham : ich (bin, Aham)
  • ākāśa-vat : wie (Vat) der leere Raum (Akasha)
  • sarvam : alles (Sarva)
  • bahir-antar-gataḥ : das Äußere (Bahis) und Innere ausfüllend („befindlich“, Antargata)
  • acyutaḥ : unerschütterlich, unvergänglich (Achyuta)
  • sadā : immer, stets (Sada)
  • sarva-samaḥ : gleichgesinnt (Sama) gegen alles (Sarva)
  • siddhaḥ : vollkommen, heilig (Siddha)
  • niḥsaṅgaḥ : an niemand und nichts hängend, ohne Anhaftung (Nihsanga)
  • nirmalaḥ : rein (Nirmala)
  • acalaḥ : unbewegt (Achala)     ॥ 35 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Wie der Raum fülle ich alle Dinge im Inneren und Äußeren. Unveränderlich und gleich in allen, zu allen Zeiten bin ich rein, ungebunden, makellos und unbewegt.

Das sind machtvolle Affirmationen. Sowohl Ausdruck von tiefem Verständnis – ein Meister hat das erfahren, ein Vedantin lebt aus dieser Bewusstheit und auch als spiritueller Aspirant kann man sich das immer wieder sagen.

Ich schreibe es nochmal:
„Wie der Raum fülle ich alle Dinge im Inneren und Äußeren.“
Das Ich ist nicht beschränkt auf diesen Körper. Ich befinde mich im Moment im Lakshmi Raum im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg.
Das ist der Raum innerhalb dieses Raumes. Aber es ist der gleiche Raum, der innerhalb und außerhalb des Lakshmi Raumes ist. Genauso: Hier ist ein Körper, innerhalb des Körpers ist Raum und außerhalb des Körpers ist Raum.
Ebenso ist Bewusstsein überall. Ich bin unendlich und ewig. Ich bin das Bewusstsein in diesem Körper, ich bin das Bewusstsein außerhalb dieses Körpers. Daher fülle ich alle Dinge im Inneren und auch im Äußeren.

„Unveränderlich und gleich in allen, zu allen Zeiten bin ich rein, ungebunden, makellos und unbewegt.“
Das Selbst ist unveränderlich. Das kann man sich immer wieder bewusst machen. Es ist eine große Kraftquelle. Gerade dann, wenn es mal besonders schwierig ist. Gerade dann, wenn du vor schwierigen Herausforderungen stehst. Gerade dann, wenn die Emotionen besonders hochgehen, dann kann es helfen, wenn du sagst: „Unveränderlich und gleich in allen bin ich.“ Gleich in allen heißt auch, in allen Umständen. Es gibt mal Schönes, mal weniger Schönes. Menschen sind mal freundlich, mal weniger freundlich. Nicht immer sind alle Menschen gleich.
Du hast mal mehr Erfolg, du hast mal weniger Erfolg. Aber du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Gleich in allen Umständen, was auch immer geschieht, das Bewusstsein bleibt gleich. Du kannst dir das auch sagen, dass gerade an der Oberfläche deines Geistes, Höhen oder Tiefen sind, du in der Tiefe deines Wesens stets gleich bleibst. An der Oberfläche meines Geistes ist mal Ärger, sind mal Wünsche. In der Tiefe meines Wesens bin ich stets gleich.
„Gleich in allen“ kannst du auch so interpretieren: Ich als Bewusstsein bin überall. Nicht nur in diesem Körper, sondern in allen Körpern. Gleich in allen, überall. Ich bin dieses unendliche Bewusstsein.
„Zu allen Zeiten bin ich rein, ungebunden, makellos und unbewegt.“
Was auch immer geschieht: Ich bin rein. Atman ist „Nirmala“, rein, makellos. „Achala“, „unbewegt“, „Sarvasaha“ zu allen Zeiten bin ich gleich und in Gleichmut. „Siddho“, ich bin „immer vollkommen“. In diesem Sinne sage dir das immer wieder. Das sind wunderschöne vedantische Affirmationen.
Darüber kannst du meditieren, Du kannst es dir immer wieder vorsprechen und das hilft dir, dich vom Alltag zu lösen.
Ich wiederhole es noch einmal, mache immer eine kurze Pause nach den einzelnen Aussagen. Du kannst das mit spüren. Du kannst das mit erfahren. Du kannst aus diesem Geist heraus leben. Vielleicht magst du auch gleich darüber meditieren:
„Wie der Raum fülle ich alle Dinge im Inneren und Äußeren. Unveränderlich und gleich in allen, zu allen Zeiten bin ich rein, ungebunden, makellos und unbewegt.“

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