Atma Bodha – Vers 17

Das Selbst wird im Intellekt reflektiert

Atma Bodha – Vers 17

Deutsche Übersetzung:

Obwohl er all-durchdringend ist, scheint der Atman nicht in allen Dingen. Er manifestiert sich nur im inneren Instrument, dem Intellekt (Buddhi) – wie eine Reflexion in einem sauberen Spiegel.

Sanskrit Text:

sadā sarvagato’py ātmā na sarvatrāvabhāsate ।
buddhāv evāvabhāseta svaccheṣu pratibimbavat ॥ 17 ॥

सदा सर्वगतोऽप्यात्मा न सर्वत्रावभासते ।
बुद्धावेवावभासेत स्वच्छेषु प्रतिबिम्बवत् ॥ १७ ॥

sada sarvagato’py atma na sarvatravabhasate |
buddhav evavabhaseta svachchheshu pratibimbavat || 17 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sadā : stets, immer (Sada)
  • sarva-gataḥ : all-durchdringend ist (Sarvagata)
  • api : obwohl (Api)
  • ātmā : das Selbst (Atman)
  • na : nicht (Na)
  • sarvatra : überall (Sarvatra)
  • avabhāsate : es erscheint, zeigt sich (ava + bhās)
  • buddhau : im Intellekt (Buddhi)
  • eva : nur (Eva)
  • avabhāseta : es kann erscheinen, sich zeigen (ava + bhās)
  • svaccheṣu : in klaren (Dingen, Svachchha)
  • pratibimba-vat : wie (Vat) ein Spiegelbild (Pratibimba)     ॥ 17 ॥

Kommentar von Sukadev Bretz

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Obwohl er alldurchdringend ist, scheint der Atman nicht in allen Dingen. Er manifestiert sich nur im inneren Instrument, dem Intellekt (Buddhi), wie eine Reflexion in einem sauberen Spiegel.
Hier drückt Shankaracharya seine besondere Wertschätzung für Buddhi aus. Buddhi, gemeinhin übersetzt als Intellekt, ist der Verstand, der freie Wille, ist das Unterscheidungsvermögen und ist auch das, was fragt: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? „Atman, das Selbst, ist alldurchdringend“ sagt er. Überall. Es gibt nur eine Weltenseele, auch Brahman genannt, und Atman ist eins mit der Weltenseele Ayam Atma Brahman. Dies ist so eine der Grundlagen der Vedanta Philosophie, dieses Selbst ist Brahman.
Dieses Selbst scheint durch verschiedenen Teile hindurch, aber Shankara sagt, ganz besondere durch den Intellekt. Angenommen du bist müde und traurig und identifizierst durch diesen Teil des Manas also des Geistes, dann ist dort kein klares Erstrahlen des Selbst. Wenn du in Emotionen bist, in Gefühlen oder in Stimmungen, dann strahlt das Selbst nicht so sehr hindurch, sondern da bist du sehr stark gefärbt. Wenn du aber merkst, ich bin das unsterbliche Selbst, logisch analysierst und irgendwann merkst, da ist die Psyche, da sind Emotionen, da ist der Körper, da ist Prana, da ist Gemüt und du selbst dabei erkennst, ich bin davon getrennt, dann geschieht dies durch den Intellekt, Buddhi. Aber Buddhi ist mehr als ein trockener Intellekt, Buddhi ist auch Intuition, Buddhi ist Bewusstheit.
Also Shankaracharya sagt hier, nutze deine Buddhi, nutze deinen Intellekt und nutze deine höhere Intuition mit großer Bewusstheit und Achtsamkeit und löse dich von allem anderen. Und in dieser Bewusstheit, in dieser Achtsamkeit und in diesem bewussten Verstehen, dort strahlt Atman, das Selbst, ganz besonders, daher nutze deinen Intellekt, nutze die Buddhi, nicht umsonst wird auch Buddha der Erleuchtete genannt. Buddha und Buddhi hängen alle miteinander zusammen, auch Bodha, der Name dieses Werkes ist ja Atma Bodha, die Erkenntnis des Selbst. Bodha heißt aber auch, das was das Selbst erleuchtet oder was vom Selbst erleuchtet ist. Sowie Buddha, der seine Buddhi genutzt hat und der deshalb Buddha erreicht hat, die höchste Erkenntnis und somit auch die Erleuchtung. Und so löse dich von Identifikationen mit Körper und Psyche, mit Emotionen, Gedanken und Persönlichkeit und dies gelingt durch den Intellekt, durch die bewusste Frage: „Wer bin ich?“ Und indem du dich so löst von allem anderen, erfährst du dein wahres Selbst und das Selbst ist erfahrbar, erkennbar über den Intellekt und das Selbst kann sich auch über Buddhi manifestieren. Dies ist das Konzept des Jnana Yoga und dies ist ganz besonders das Konzept von Shankaracharya.

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